
Ellemann-Jensen Recieves the Hamburg-European Friendship Award
8 June 2007
![]() Ellemann-Jensen Recieves the Hamburg-European Friendship Award8 June 2007 Chairman Uffe Ellemann-Jensen received the "Hamburg-European Friendship Award". In connection with the ceremony he was asked to give this year's "Europe Speech" in Hamburg on 08 June 2007. You can read and download his speech here.
SpeechPlease find the "Europe Speech" in PDF and text format below.
”Europa-Rede”Hamburger Morgensprache, 8. Juni 2007 Herr Ältermann Ich danke Ihnen für die große Ehre, die Sie mir heute zuteil werden lassen – den Hamburg European Friendship Award. Als ein echter Liberaler bin ich besonders glücklich darüber, als Freund der Freien und Hansestadt Hamburg und der Hamburger Handelskammer mit ihrem großartigen Motto: “Freiheit des Geistes, der Chancen und des Handels” angesehen zu werden. Ich fühle mich geehrt, Teil dieser sehr besonderen Zeremonie – der Hamburger Morgensprache – sein zu dürfen, die Ausdruck für die einzig-artige Rolle ist, die Hamburg gespielt hat und nach wie vor spielt, wenn es darum geht, dieses inspirierende Motto mit Leben zu erfüllen. Es begann alles in London – vor fast einem dreiviertel Jahrtausend– als ein weit-sichtiger englischer Monarch etwas ermöglichte, aus dem sich später die Hanse entwickeln sollte – die ihre Wurzeln im Geist der Hamburger Kaufleute hat. In unserem Teil der Welt führte dies zu einer Zeit nie da gewesenen Wachstums, in der Handel, Kapital und Kulturen begannen, sich frei über das Meer aus-zudehnen. Die Erinnerung an die blühende Hanse war viele Jahre lang ein ferner Traum – gerade in einer Zeit, in welcher der Ostseeraum von Konflikten und Spaltung beherrscht war, und die ihren traurigen Höhepunkt in einem lang andauernden Kalten Krieg hatte, in dem unsere Region zu einer Sackgasse auf der Landkarte Europas verkümmert war. Das hat sich heute gründlich geändert – und wir alle können von einer Rückkehr zu den guten alten Tage der Hanse träumen – ein Traum, der jetzt Wirklichkeit wird, in einer Zeit, in der sich unsere Ostsee-Region – unserer Baltic Sea Region – in jeder Hinsicht zum “Top of Europe” entwickelt: geografisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich. “Top of Europe”! Wahrlich kein schlechtes Markenzeichen – nicht wahr? Aber bedenken Sie: Wir haben dies innerhalb von wenigen Jahren erreicht – und wir müssen hart daran arbeiten, diese Position zu festigen. Denn es ist uns noch nicht gelungen, diese Möglichkeiten in vollem Umfang auszuschöpfen. * * * Bevor ich hierher kam, bin ich auf eine alte Rede gestoßen, die ich zu einem früheren Zeitpunkt als dänischer Außenminister vor dem Übersee Klub in Hamburg gehalten habe. Das ist nur etwa 24 Jahre her – aber die damalige Zeit war so völlig anders, dass es heute schwer ist, dies den jungen Leuten zu erklären. Das war 1983, als der Kalte Krieg seinen letzten Höhepunkt erreicht hatte: Die Konfrontation zwischen Ost und West hatte sich gefährlich zugespitzt, und niemand, der einen Funken Verstand hatte, wagte auch nur zu glauben, dass es möglich sein würde, atomare Abrüstung, die Einigung Deutschlands und die Auflösung der Sowjetunion sowie die Einführung von Demokratie in ihren unterdrückten Satellitenstaaten zu erreichen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte die EG 10 Mitgliedstaaten. Spanien und Portugal hatten Probleme bei ihren Bemühungen, Mitglied zu werden – und in meiner damalige Rede in Hamburg forderte ich die EU zu Offenheit gegenüber den Kandidaten-ländern und der Welt auf. Ich sprach mich auch für eine Fortführung des Dialogs mit Moskau aus und dafür, dass die EG versuchen sollte, weltweit Einfluss zu erlangen. Denn – “Die Perspektiven und Visionen der europäischen Zusammenarbeit dürfen nicht aus den Augen verloren werden – auch nicht, wenn die täglichen Probleme schwerwiegend und kompliziert sind”. Diese Botschaft kann ich heute – 24 Jahre später – nur erneut bekräftigen. Oh wie ich es liebe, alte Reden zu recyceln …. * * * Heute haben wir eine EU mit 27 Mitgliedstaaten – und immer neue klopfen an die Tür. Ich hoffe, dass die EU ihrer “raison d’etre” gerecht werden wird und dass sie als Leucht-turm für jene europäischen Länder wirken wird, die nach wie vor darum kämpfen, sich zu freien und liberalen Demokratien zu entwickeln. In unserer eigenen Region – der Ostsee oder Baltic Sea Region – haben wir größere Erfolge erreicht als wir es uns in den wildesten Träumen vorgestellt hatten. Nachdem zunächst Schweden und Finnland und an-schlie-ßend Polen und die drei baltischen Republiken der EU beitraten, erlebten wir letzt-endlich, dass einige der Grundstrukturen der alten Hanse wieder auf-tauchten – zumindest auf dem Papier. Denn was die Freizügigkeit für Handel, Kapital und Arbeit in unserer Region anbetrifft, gibt es nach wie vor noch Einiges zu tun. Es gibt immer noch zu viele Hindernisse, nicht nur zwischen den EU-Staaten der Region und Russland – sondern auch intern zwischen den Mitgliedstaaten der EU, die Besseres im Sinn haben sollten, als die hochgehaltenen Freiheiten der EU zu untergraben. Als die alten Systeme zusammen-brachen und wir eine neue politische Landkarte in Europa bekamen, führte eine gemeinsame deutsch-dänische Initiative zur Schaffung des Ostseerats – the Council of Baltic Sea States. Mein damaliger deutscher Kollege – mein Freund Hans-Dietrich Genscher – hatte die Weisheit und den Weitblick, um die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen großen und kleinen Staaten der Region zu erkennen. Aus diesem Grunde war die Bundesrepublik Deutschland ein sehr aktives Mitglied des Rats. Ich hoffe, dass diese Weisheit noch für eine Weile vorhalten wird – in einer Zeit, in der sich so viele veranlasst sehen, ihre eigenen Wege zu beschreiten. Lassen Sie mich Klartext reden: In den letzten Jahren sind die Spannungen zwischen Russland und einigen seiner ehemaligen Untertanen erneut aufgeflammt. Das Fehlen von demokratischen Fortschritten in Russland gab Anlass zur Sorge. Und zur selben Zeit demonstrierte Russland seinen Willen, die Energiefrage als ein Instrument bei der Schaffung von “Interessenssphären” einzusetzen – „Interessesphären“: Ein Konzept, das der Vergangenheit angehören sollte. Angesichts dieser Lage müssen wir zusammenstehen – sowohl in der Baltic Sea Region als auch in der EU – anstatt auf das Niveau der bilateralen Kontakte zurück zu fallen. Spaltungs-versuche dürfen nicht zugelassen werden. Denn Russland braucht uns genauso wie wir Russland brauchen. Der richtige Weg, sich mit Russland zu befassen, besteht in der Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen – und zwar zum gegenseitigen Nutzen. Dies kann zu einer Erhöhung der Energie-versorgungs-sicherheit in der EU führen – und zugleich zu einer Modernisierung der russischen Wirtschaft. Doch – wir dürfen nicht Naive sein. Russland hat diese woche wieder sein altes Ziel – Divide et Impera – Teile und Herrsche – vervolgt. Und deshalb müssen wir zusammenhalten. Wir brauchen sowohl ein neues Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Russland als auch eine neue Energiecharta. Und wir brauchen dies insbesondere in der Ostsee-Region, in der wir uns alle für eine Wiederbelebung einer einzigen großen Freihandelszone einzetzen sollten – freier Handel nicht nur in Worten und Erklärungen, sondern auch im täglichen Geschäftsleben. * * * Der Ostseerat – und spätere Initiativen der EU wie die Nördliche Dimension/ the Northern Dimension – greift die Themen auf, die zwischen den Regierungen verhandelt werden. Es ist aber ebenso wichtig, die Wirtschaft mit dem Ziel zu aktivieren, die Hemm-nisse abzubauen, die in unserer Region bestehen. Vor neun Jahren wurde das Baltic Development Forum ins Leben gerufen – als eine Art von „World Economic Forum“ auf regionaler Ebene. Das bedeutendste Ereignis unserer Aktivitäten ist auch bei uns ein jährliches Gipfeltreffen – nicht in Davos, sondern in wech-selnder Abfolge in den Metropolen unserer Baltic Sea Region. Vor 3 Jahren waren wir in Hamburg – im vergangenen Jahr in Helsinki und im November werden wir uns in Tallin treffen. Unsere Vision besteht darin, die Baltic Sea Region zum dynamisch-sten und erfolg-reichsten Wirtschaftsraum in Europa und der Welt zu machen. Ein irrer Traum? Bestimmt nicht. Schauen Sie sich doch nur an, was wir im letzten Jahr-zehnt in unserer Region erreicht haben. Ich weiß, dass wir keine Wachstums-zahlen extrapolieren sollten – aber wenn wir auch nur einen Bruch-teil der gegenwärtigen Tendenz beibehalten, könnten wir Erfolg haben. Die neuen EU-Mitgliedstaaten, oder die “Baltic Tigers” wie sie heut-zutage auch genannt werden, inspirieren uns mit ihrer Aktivität und Kreativität, und sie zeigen uns, welche Ergebnisse erreicht werden können, wenn wir uns wirklich darauf konzentrieren. Mit ihrem enormen Eifer zu entwickeln, zu erneuern und zu lernen, erzielen die drei Baltischen Staaten heute BIP-Zuwächse, die in der Welt ihresgleichen suchen. Diese dynamische Mischung von alten und neuen Volkswirtschaften in der Baltic Sea Region hat die gesamte Region zu Weltklasse-leistungen auf den Gebieten Wettbewerbs-fähigkeit, Wachstum und Innovation angespornt. Es besteht jedoch immer die Gefahr der Selbstzufriedenheit, wenn sich die Dinge schnell entwickeln. Und es gibt Anzeichen dafür, dass wir unsere Möglichkeiten nicht in vollem Umfang nutzen. Dies geht auch aus unserem jährlichen Zustandsbericht über die Region – dem “State of the Region Report” hervor – einem Benchmarking-Instrument, dass im Jahre 2004 auf unserem Gipfeltreffen in Hamburg eingeführt wurde. In unserer Region besteht ein klarer Bedarf an Reformen – wir müssen ernst-haftere Anstrengungen unternehmen, um die recht-lichen, physischen und geistigen Hindernisse für das Wachstum zu beseitigen. Dies ist nicht nur ein regionales Problem. Es ist ein europäisches Problem. Die edlen Werte des Hansebundes sind auch heute noch von Gewicht. Unsere Anstrengungen müssen entschlossen, grenzüberschreitend und langfristig sein, weil andere Regionen dabei sind, den Vorsprung zu verringern. Gestatten Sie mir, Herrn von Beust zu zitieren, der bei gleicher Gelegenheit im vergangenen Jahr feststellte: „Der Blick auf frühere Blütezeiten stärkt für die Zukunft“. Ich bin überzeugt davon, dass Sie Recht haben, Herr von Beust – und die Stärken der Baltic Sea Region werden dieser Entwicklung zuträglich sein. Ich will versuchen – als Ende meine Rede – eine Metamorphose all dieser positiven Faktoren unserer Region vorzuschlagen. Stellen Sie sich vor, wir könnten folgende Faktoren miteinander verbinden: • Die Arbeitsmarkt-flexibilität der Dänen, Das wäre eine wahrhaft starke Mischung! Hamburg ist wahrscheinlich die Stadt, in der diese Mischung am stärksten ausgeprägt ist – denn Hamburg ist die kosmopolitischste und weltoffenste Metropole in der Baltic Sea Region. Der ursprüngliche Geist der Hamburger, der sich in der Gründung der Hanse manifestierte, wies den Weg. Heute sind wir in Europa Zeugen von Tendenzen, die in die entgegengesetzte Richtung weisen – Tendenzen von Engstirnigkeit und Rassismus – Tendenzen, die zu einem geschlossenen Europa führen könnten, zu einer Festung Europa. Aber wir wollen der Zukunft nicht mit Mauern gegenüber dem Rest der Welt begegnen. Wir wollen ihr in demselben Geist begegnen, wie die Hamburger Kaufleute im London von König Heinrich dem Dritten (King Henry III). Ich weiß, dass es sich nicht ziemt zu sagen “Ich bin ein Hamburger” – weil – wenn Sie mir einen wirklich schlechten Witz gestatten: “Die schmackhaftesten Hamburgers werden aus heiligen Kühen gemacht”. Und heilige Kühe sind genau das, was wir im Europa von heute nicht kultivieren sollten. Und so lassen Sie mich einen Toast mit einem alten Hamburger Gruß ausbringen: “Cheese and Bread“ - meine Damen und Herren - auf Hamburg, auf Europa und auf unsere Baltic Sea Region! |